An der TU München wird in den nächsten Jahren großzügig ein Projekt zur Erforschung fettreduzierter Nahrungsmittel vom Forschungskreis der Ernährungsindustrie gefördert. Das Motto: Kampf dem Übergewichtsproblem in Deutschland. Dass die Fett- und Cholesterinphobie der letzten 50 Jahre nicht zum gewünschten Erfolg führte, müsste doch inzwischen auch der Industrie bekannt sein. Vielmehr scheint die heutige Lebensmitteltechnologie mit einer Vielzahl an Aroma- und Zusatzstoffen wie Süßstoffen, Verdickungs- und Konservierungsmitteln ein Problem zu sein. Warum? Ganz einfach: Geruch und Geschmack signalisieren unserem Gehirn, welche Nährstoffe ihm zugeführt werden. Schmeckt ein Nahrungsmittel süß, stellt er sich auf schnell verfügbare Energie ein; riecht es hingegen nach Rindfleischsuppe, erwartet der Körper – vereinfacht formuliert - Mineralstoffe, Eiweiße und Fettsäuren. Dieser Mechanismus hat sich über Jahrmillionen entwickelt. Wird unser Organismus allerdings mit Trugstoffen über die tatsächliche Nährstoffzufuhr getäuscht, läuft er ins Leere. Die Konsequenz: Verlangen nach mehr, bis die erwünschten Inhaltsstoffe zugeführt werden. Zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass hochverarbeitete Produkte, bei denen eine Vielzahl natürlicher Inhaltsstoffe verändert wurde, zu einer insgesamt höheren Mengen- und damit Energiezufuhr führen. Warum sollte dies ausgerechnet bei fettreduzierten Produkten, die nach „Fett“ schmecken, wo es dann allerdings fehlt, anders sein? Wer sich dieser Masche entziehen will, sollte natürlichen, möglichst unverarbeiteten Produkten seine Aufmerksamkeit schenken. Dann dürfen es auch getrost fettreiche Varianten sein. Schließlich ist die Fettqualität weitaus höher zu bewerten als die Fettmenge. Wenn der Verbraucher derartige Produkte gar nicht erst kauft, wird sich auch die Nahrungsmittelindustrie wieder umstellen müssen.
Redaktion: Dipl.troph. Irina Baumbach