2008/06/04 - Gentechnik und Food-Design

Das Geschäft mit unseren Lebensmitteln. 

Die Diskussionen über die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen für und in unseren Lebensmitteln halten an. 75 Prozent der Europäer sind sich jedoch darüber einig, dass sie Gentechnik auf ihren Tellern nicht wünschen. Dennoch erwartet der Verbraucher preiswerte Lebensmittel bei hoher Qualität – frisch, aromatisch und möglichst lang haltbar. Die Lebensmittelindustrie wiederum gibt ihr Bestes, um uns diese Wünsche nun zu erfüllen – mit nicht ganz unerheblichen Folgen für Landwirtschaft, Umwelt, Ressourcen und nicht zuletzt unsere Gesundheit. Während Milchbauern auf die Straße gehen und für akzeptable Preise für ein Grundnahrungsmittel kämpfen,  wüten eifrige Genwissenschaftler in den Labors der Lebensmittelkonzerne. Bereits heute werden zahlreiche Lebensmittelzusatzstoffe aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen und in erster Linie Fertigprodukten zugesetzt. So verwundert es doch etwas, dass wir einerseits strikt gegen Gentechnik auf unseren Tellern sind, gleichzeitig aber aufpolierte Fertigprodukte der Lebensmittelgiganten verschlingen. Der weltweit größte Hersteller transgenen Saatguts Monsanto verklagt nicht nur weltweit Bauern, um Lizenzeinnahmen für gentechnisch verändertes Saatgut zu erhöhen oder stellt Anträge auf Patentierung von Lebewesen und Pflanzen.  Monsanto vertreibt in den USA ein Wachstumshormon, das die Milchleistung von Kühen erhöht und mit gesundheitlichen Risiken beim Menschen in Verbindung gebracht wird. Nun stehen Patentanträge für Schweineherden aus, mit denen Monsanto seine Monopolstellung in der Schweinezucht und die Kontrolle über die Nahrungsversorgung auch eine weitere Preissenkung für Schweinefleisch erzielt werden soll. Davon wären auch deutsche Schweinezüchter betroffen, da die Patente auch Gene einbeziehen, die von jeher in Schweinen vorhanden sind. Gleichzeitig kann firmeneigenes patentiertes preisgünstigeres gentechnisch-verändertes Soja an die Tiere verfüttert werden. Die weltweit vertriebene Sojapflanze zeichnet sich durch eine Resistenz gegen das firmeneigene Pestizid Glyphosat aus, das sich auf diese Art und Weise im Kombi-Paket gleich mit verkaufen lässt.  So baut der Konzern seine Machtstellung in der Lebensmittelproduktion zunehmend aus. In Deutschland stehen Kooperationen mit Bayer und BASF bevor  - Pharmahersteller, die auch Hersteller von Lebensmittelinhaltsstoffen und Zusatzstoffen für Futtermittel sind. Der Konsument muss sich also entscheiden, welche Priorität er beim Lebensmittelkauf zukünftig setzen will: Qualität, Sicherung der landeigenen Lebensmittelproduktion und damit entsprechende Preise oder zunehmende  patentierte Genveränderungen auf Lebewesen und Pflanzen mit weitreichenden Folgen für Umwelt und Gesundheit.

Redaktion: Irina Baumbach  

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