Es geisterte durch die Medien, als ob es keinen Morgen gäbe. Rotes Fleisch ist mal wieder DER Übeltäter. Es ist ursächlich an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs beteiligt und erhöht damit die Gesamtsterblichkeit. Manches Pressestück erlaubt sich gar die Behauptung, dass zahlreiche Todesfälle hätten verhindert werden können – wenn es nur dieses rote Fleisch nicht gäbe. Diese sensationelle Erkenntnis stammt aus einer großangelegten Beobachtungsstudie. Womit wir auch schon beim Problem wären. Derartige Untersuchungen sollten nicht immer unüberlegt für bare Münze hingenommen werden, dienen sie doch in erster Linie dazu, Zusammenhänge zu finden, um den erkannten Sachverhalt anschließend in klinisch kontrollierten Studien nachzuprüfen. Für rotes Fleisch gibt es derartige Untersuchungen kaum. Bis heute sind die genauen Hintergründe nicht bekannt. Denn die postulierten schädlichen Mechanismen wie der hohe Eisengehalt, der Anteil an gesättigten Fettsäuren oder die Bildung krebserregender Substanzen bei der Zubereitung treffen ebenso für andere Fleischarten – wenn auch in etwas geringerem Ausmaß - zu. Bleibt die Frage, wie es zu solch einem Ergebnis kommt? Es ist anzunehmen, dass sich Rotfleischliebhaber insgesamt anders ernähren als Weißfleischesser. Diese essen mehr Gemüse und Obst, treiben mehr Sport und rauchen seltener. Hingegen achten Rotfleischesser weniger auf Ballaststoffe, Gemüse oder Obst, treiben weniger Sport, sind dicker und rauchen eben häufiger. Diese Zusammenhänge müssten separat überprüft werden, um solch eine Aussage auch belegen zu können. Dass hormonbelastete Hühnchen oder gemästete Schweine weniger gesundheitsgefährdend sind, darf zudem bezweifelt werden. Und was das Argument anbetrifft, dass das Halten von Rindern die Umwelt enorm belastet – nun, bei Äpfeln aus Neuseeland im deutschen Supermarkt fragt auch niemand nach der Umweltbilanz, oder?
Redaktion: Irina Baumbach