2008/09/17 - Weichmacher doch gesundheitsschädlich?

Die Substanz Bisphenol A gehört zu den umstrittenen Weichmachern in verbrauchernahen Waren wie Babyflaschen, Plastikschüsseln oder Konservendosen. Grund: Bisphenol A zählt zu den „endocrine disrupters“, also Stoffen, die eine östrogenähnliche Wirkung besitzen. Vor allem durch das Einfüllen heißer Getränke sowie heißes Spülen tritt Bisphenol A ins Lebensmittel über. Es steht in Verdacht, in größeren Mengen krebserregend zu sein und Übergewicht zu fördern. So wiesen US-Forscher nach, das Bisphenol A die Akkumulation von Fetten und die Teilung von Fettzellen beschleunigt und das Hormon Adiponektin unterdrückt, das für die Insulinsensitivität wichtig ist. Aus Tierversuchen sind ferner Schädigungen des Nervensystems und Verhaltensstörungen beschrieben. Vor allem der Einsatz in Babyflaschen, der in Kanada bereits verboten ist, darf kritisch beäugt werden. Bis 2006 galt ein Grenzwert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hob diesen Wert jedoch auf das 5-fache an. Auslöser hierfür war eine groß angelegte, von der Industrie gesponserte Studie, die bis heute nicht öffentlich einzusehen ist. Doch damit nicht genug: der Toxikologe Frederick vom Saal belegte, dass von 152 öffentlich finanzierten Untersuchungen 138 gesundheitsschädliche Wirkungen nachwiesen, während negative Effekte bei 11 Industrie-gesponserten Tests ausblieben. Fakt ist, dass eine einzelne Substanz den Braten wohl nicht fett macht. Dennoch wird zunehmend deutlich, dass wir von 315 Lebensmittelzusatzstoffen, mehreren tausend Aromastoffen sowie Substanzen, die in Verpackungsmaterialien eingesetzt werden - aber nicht deklariert werden müssen - viel zu wenig über Wechselwirkungen, langfristige und summierende Effekte wissen, die unsere Gesundheit chronisch beeinträchtigen können. Untersuchungen sind spärlich und immer auf eine einzelne Substanz ausgerichtet. Hier ist mehr Aufklärung und Kontrolle gefordert. Denn jeder Verbraucher hat das Recht zu wissen und zu wählen!

Redaktion: Irina Baumbach  

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