2007/01/17 - Wissenschaft aktuell: Zöliakie im Zusammenhang mit degenerativen Erkrankungen

Aachen (fet) -  Aktuellen Studien zufolge steht die Autoimmunerkrankung Zöliakie im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen sowie einem erhöhten Risiko für Tumore in Rachen, Speiseröhre und Dünndarm.

Zöliakie, im Erwachsenenalter auch einheimische Sprue genannt, ist eine Erkrankung des Dünndarms, ausgelöst durch eine Unverträglichkeit des in Weizen und Roggen sowie Gerste und Hafer enthaltenen Getreideeiweißes Gluten.

Infolge der durch Gluten ausgelösten Antigen-Antikörper-Reaktion treten unspezifische Symptome wie Wachstumsstörungen, ein aufgeblähter Bauch, Blähungen, Durchfall und Übelkeit sowie Appetitlosigkeit, Blässe, Anämie, trockene Haut und eine schlaffe Muskulatur auf. Grund hierfür ist die fortlaufende Schädigung der Dünndarmzotten, die bei Gesunden eine optimale Nährstoffaufnahme aus dem Darm ins Blut ermöglichen. Ist diese gestört, können vielseitige Mangelerscheinungen und chronische Infektionskrankheiten auftreten.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Zöliakie mit einer Reihe weiterer Erkrankungen, beispielsweise Eisenmangelanämie, Osteoporose, Hauterkrankungen, neurologischen und endokrinen Störungen, in Verbindung steht [Rod06], [Her06], [Per06]. Auch über ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, wie das aggressive Non-Hodgkin-Lymphom oder Tumoren in Speiseröhre, Rachen und Dünndarm, berichten Studien [Cat05], [Van05]. Andererseits deuten die Untersuchungen auf ein geringeres Sterblichkeitsrisiko bei Lungen- und Brustkrebspatienten [And07].

Zur Vermeidung der Symptomatik sind jegliche Produkte aus Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Hafer aus dem Speiseplan zu streichen. Erlaubt sind dagegen Mais, Hirse, Buchweizen und Reis. Inzwischen gibt es zahlreiche getreideeiweißfreie Brot- und Backwaren sowie glutenfreie Mehle auf dem Markt, mit denen Brot selbst gebacken werden kann. Zu beachten ist jedoch, dass das Getreideeiweiß Gluten in der Lebensmitteltechnologie als Zusatzstoff in zahlreichen Lebensmitteln, darunter vor allem in Pommes frites, Schokolade, Cornflakes und Senf, zugesetzt ist. Auf derartige Lebensmittel ist zu verzichten, so dass nur unverarbeitete Lebensmittel bedenkenlos verzehrt werden können.

Da besonders die Fett- und Milchzuckeraufnahme bei Zöliakie-Patienten gestört ist, ist zur Besserung der Symptome eine eingeschränkte Fett- und Laktosezufuhr zu Beginn der Therapie ratsam, um unnötige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich zu vermeiden. Hier ist jedoch auf eine ausreichende Versorgung mit den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K zu achten, da gerade diese durch die schlechte Verwertbarkeit der Nahrungsfette verloren gehen.

Die Behandlung der Zöliakie ist somit nicht nur zur Vermeidung der Symptome, sondern vor allem zur Beseitigung der unzureichenden Nährstoffaufnahme und damit der Vorbeugung von Mangelerscheinungen und chronischen Erkrankungen von großer Bedeutung. 

Redaktion: Irina Baumbach 

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Quellen


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Rod06  Rodrigo L: Celiac disease. World J Gastroenterol, 12(41):6585-6593: 2006
Her06  Hernandez L and Green PH: Extraintestinal manifestations of celiac disease. Curr Gastroenterol Rep, 8(5):383-389: 2006
Per06  Pereira CC et al.: Case report: recently diagnosed celiac disease as aggravating factor of osteoporosis in an old woman. Arq Bras Endocrinol Metabol, 50(6):1127-1132: 2006
Cat05  Catassi C et al.: Association of celiac disease and intestinal lymphomas and other cancers. Gastroenterology, 128(4 Suppl 1):S79-S86: 2005
Van05  Van Overbeke L et al.: What is the role of celiac disease in enteropathy-type intestinal lymphoma? A retrospective study of nine cases. Acta Gastroenterol Belg, 68(4):419-423: 2005
And07  Anderson LA et al.: Malignancy and mortality in a population-based cohort of patients with coeliac disease or "gluten sensitivity". World J Gastroenterol, 13(1):146-151: 2007