Aachen (fet) – In der Behandlung der pharmakoresistenten Epilepsie bei Kindern bietet sich durch eine ketogene Diät eine effektive Behandlungsmöglichkeit an. Allein die Reduktion von Kohlenhydraten sowie Erhöhung der Nahrungsfette können schwere Symptome einer Epilepsie deutlich verringern.
Obwohl der Einsatz einer ketogenen Diät schon seit vielen Jahren bekannt und seine Wirkung belegt ist, findet die Außenseitermethode in der Behandlung von pharmakoresistenter Epilepsie nur wenig
Anwendung. Eine kohlenhydratarme Ernährung vermindert die Anfallshäufigkeit und ermöglicht den meist kleinen Patienten ein beschwerdefreieres Leben. Epilepsie ist eine häufige Erkrankung
im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland leben rund 120.000 Kinder mit Krampfanfällen. Oftmals verläuft durch den Einsatz gezielter Medikamente die Erkrankung milder, jedoch 20 bis 30 Prozent
der Patienten entwickeln eine Resistenz gegenüber den Tabletten und sind den Anfällen ausgeliefert. Eine Metaanalyse, welche 11 Studien bis 1998 umfasste und die Effektivität einer ketogenen
Diät bei pharmakoresistenten Epilepsien analysierte, zeigte eine Anfallsfreiheit in 16 Prozent der Fälle bis hin zu einer Reduzierung der Anfälle auf die Hälfte bei immer noch 56 Prozent
der Patienten [Lef04].
Der genaue Wirkungsmechanismus einer ketogenen Diät ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich verändert sich die Art der Energieversorgung des Gehirns, welches zu einer Stabilisierung
der hirnelektrischen Aktivität führt. Voraussetzung für den Einsatz der ketogenen Diät ist neben einer klaren Indikation eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Ernährungsfachkräften.
Bei einer ketogenen Diät empfiehlt sich ein Energiebedarf sowie Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen entsprechend den DACH-Referenzwerten. Die Fettzufuhr sollte 3:1 oder 4:1 betragen, das bedeutet
vier Gewichtsanteile Nahrungsfett zu einem Anteil Kohlenhydrate und Proteine. Um eine therapeutische Wirkung zu erzielen, ist der Zustand einer Ketose unerlässlich. Beim Einsatz von 80 bis 90 Prozent
Nahrungsfetten sollten überwiegend Pflanzenöle mit ungesättigten Fettsäuren zum Einsatz kommen. Bei Obstipation, welches eine mögliche Nebenwirkung der Diät darstellt, ist
der Einsatz von MCT-Fetten empfehlenswert.
Darüber hinaus stellt die ketogene Diät für zwei weitere Stoffwechselstörungen dem Glucosetransporter(GLUT1)-Defekt und Pyruvat-Dehydrogenase-Mangel die einzige und unverzichtbare Behandlung
dar. Spezialisiert auf die Behandlung der drei Stoffwechselstörungen mit Hilfe der ketogenen Diät ist die Kinderklinik und Poliklinik der Technischen Universität München/ Kinderklinik
Schwabing in München.
Redaktion: Anja Baustian