Die Medien sprechen darüber, die Krankenkassen beklagen sich darüber und die Ärzte diskutieren darüber: über die Zunahme von Bevölkerungskrankheiten. Glaubt man den Statistiken, steigen diese allesamt kontinuierlich an: Allergien und Unverträglichkeiten, Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas, Bluthochdruck, Osteoporose, Fettstoffwechselstörungen oder allen voran koronare Herzerkrankungen. Sicherlich gibt es nichts schön zu reden. Vor allem die Kosten im Gesundheitswesen wachsen über ein akzeptables Maß. Doch das ein oder andere Mal dürfen bei der Verlaufsbeobachtung von so genannten Risikofaktoren die Sinne geschärft werden. So wurden einst Blutdruckwerte von 120 zu 80 als „normal“ angesehen. Im letzten Monat kamen Stimmen auf, nach denen bei diesen Werten bereits von einer Prähypertonie „auszugehen“ und über eine medikamentöse Indikation „zumindest nachzudenken“ sei. Auch die deutsche Lipid-Liga feilt regelmäßig an ihren Grenzwerten für das LDL-Cholesterin – einem Risikofaktor bei Fettstoffwechselstörungen und damit verbundenen Folgeerkrankungen. Galt einst ein „zu behandelnder“ Wert ab 140 mg/ dl, liegt dieser heute bei >100 mg/ dl für Risikopatienten (laut den neuen Definitionskriterien des Metabolischen Syndroms ist mittlerweile jeder zweite Deutsche gefährdet) oder gar bei >70 mg/ dl für Hochrisikopatienten. Ab und zu werden die Begriffe Risikopatient oder Hochrisikopatient bei der Kommunikation dieser Werte auch gern vergessen. Ein ähnliches Schicksal traf den Taillenumfang – einem Diagnosemarker für die Bestimmung der Adipositas und des KHK-Risikos. Waren wir einst als Frau mit weniger als 88 cm und als Mann mit weniger als 102 cm auf der sicheren „gesunden“ Seite, fallen wir heute schon bei 80 bzw. 92 cm ins Visier von „rettenden“ Pharmaunternehmen und „hilfsbereiten“ Gesundheitsexperten. Ein Schelm, der böses dabei denkt.
Redaktion: Irina Baumbach